Mittenwald

Handwerkstradition in Oberbayern

... ein Himmel voller Geigen in Mittenwald (Quelle: Corillon)

Geigen- und Lautenbau etablierten sich in Mittenwald bereits seit dem 17. Jh. Mittenwalder Geigen waren im 18. Jh. nördlich der Alpen sehr beliebt. So schrieb Leopold Mozart 1764 «….dass Paris und London mit Mittenwalder Geigen voll sind».

Mathias Klotz (1653–1743), der um 1685/86 in Mittenwald eine Werkstatt gründete gilt als Urvater des Mittenwalder Geigenbaus. Er hatte das Handwerk bei einem Füssener Lautenmacher erlernt und bildete, nach seinen Wanderjahren in Padua, zu Hause in Mittenwald u.a. seine drei Söhne aus. Die Instrumente der Klotz-Familie orientierten sich stark an Vorbildern von Jacobus Stainer und Nicolo Amati.

Neben der Familie Klotz etablierten sich bereits im 18. Jh. weitere Geigenbauer, wie z.B. Matthias Hornsteiner.

Neben den Handwerksbetrieben liessen sich im 19. Jh. Händler nieder, die das sogenannte «Verlagswesen» entwickelten. Verleger versorgten die Betriebe mit Rohstoffen und liessen oft nur Teilfabrikate erstellen, mit deren Zusammensetzung wiederum andere Betriebe beauftragt wurden. Verleger steuerten somit den Produktionsprozess. Anders als in Markneukirchen, das durch das Verlagswesen eine Industrialisierung im 19. Jh. erfuhr, blieb die Produktion in Mittenwald in kleineren Manufakturbetrieben.

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts waren in Mittenwald ca. 80 Geigenbauer tätig. 1858 wurde auf Betreiben von König Maximilian II. von Bayern die Mittenwalder Geigenbauschule gegründet, um eine systematische Ausbildung im Geigenbau zu gewährleisten. Die lange Tradition des Geigenbaus wird in Mittenwald auch im 21. Jahrhundert erfolgreich weitergeführt.