Historisches Rezept

Rezepturen zum Kochen von Lacken und Firnissen gab es bereits in der Antike.

In der Blütezeit des italienischen Geigenbaus gab es unzählige Traktate über die Herstellung von Lacken. Ein wichtiges Manuskript ist uns von dem Genfer Arzt, Alchemisten und Gelehrten Theodore Turquet de Mayerne (1573-1655) überliefert.


Théodore Turquet de Mayerne (Théodore de Mayerne)
* 28. September 1573 in Mayerne bei Genf; † 22. März 1655 in Chelsea, London

Aus seiner Sammlung überlieferter Lackrezepturen:

 

Schöner und feiner, goldgelber Firnis

Nimm Leinöl, gelbe Aloe, Pinienharz je gleiche Teile, siede sie zusammen wie folgt: Das Öl gib in einen reinen Kessel und lasse es auf dem Feuer bis es zu sieden beginnt, hebe es vom Feuer und gib das Pinienharz hinzu; stelle es wieder ans Feuer, bis es zu sieden anfängt, hebe dann vom Feuer ab und mische stets mit einem Spatel oder einem Holze, und wenn der Schaum allzustark in die Höhe steigt, nimm einen reinen Kübel, und halte ihn in den Kessel; damit der Schaum nicht überlaufe, schüttle ihn in das genannte Gefäss ab; erwärme dann wieder, bis es zu sieden beginnt und das Sieden überstehe, und wenn Du siehst, dass das Harz zergangen ist, gib die gut gepulverte Aloe, stets mit dem Spatel umrührend, hinzu und stelle es wieder von neuen ans Feuer. Aber merke: das Feuer sei stets gelinde und schwach, und wenn sich eine Haut gebildet hat, verstärke das Feuer ohne mit dem Spatel zu mischen, dann lasse es ein wenig stehen, bis es sich gut verdickt hat und eine Haut bildet. Und merke, von dem Zeitpunkt, da es gut gesotten ist, stehe es noch sechs oder acht Stunden, je nach Bedarf, auf dem Ofen. Das Zeichen für die Fertigstellung ist, dass der Firnis schön gefärbt erscheint; gib von dem selben noch warm auf das Zinn, und Du wirst eine schöne Wirkung erzielen."

(Quelle: Bischoff, Gudrun (2004), Das De Mayerne-Manuskript, Die Rezepte der Werkstoffe, Maltechniken und Gemälderestaurierung, München: Verlag der Anton Siegl, Fachbuchhandlung GmbH S. 163f.)