Immer steht die Geige im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, dabei ist der Bogen das entscheidende Werkzeug. Er ist es, der ihren Klang zum Leben erweckt. Die Entwicklung des Bogens seit dem 17. Jahrhundert ist eng mit der Geschichte des Geigenbaus verbunden.

Als der italienische Geiger G. B. Viotti im Jahre 1772 zum ersten Mal in Paris auftrat, elektrisierte er das Publikum mit seinem Spiel. Gemeinsam mit den Bogenbauern Leonard und Francois Xavier Tourte entwickelte er einen Geigenbogen, der eine grundlegend neue Spielart ermöglichte und das Geigenspiel revolutionieren sollte.
«L`archet, c`est le violon» resümierte er lakonisch.

Geschichte des Streichbogens
Ausgehend von Zentralasien verbreitete sich der Streichbogen in den unterschiedlichsten Formen über den arabischen und byzantinischen Raum bis nach Europa. Mit der Entstehungsgeschichte der Violine im 16. Jh. entwickelte sich auch der Bogen. Rosshaare wurden an eine, mehr oder weniger (konvex) gebogene Stange fixiert und mit Hilfe eines eingeklemmten Holzkeiles gespannt. Bald schon wurde der Klemmmechanismus durch einen sogernannten Steckfrosch verfeinert. Möglicherweise rührt die Bezeichnung «Frosch» daher, dass der eingeklemmte Steckfrosch zwischen Haaren und Bogenstange die Neigung hatte, wie ein «Frosch» davonzuspringen.

Bis zum Beginn des 18. Jh. wurde die Spannmechanik weiterentwickelt, z. B. durch die sogenannte «Cremaillère- Mechanik» (Abb. 3)
Während frühe Streichbögen noch aus einheimischen Hölzern wie etwa Buche, Weide oder Lärche hergestellt wurden, verwendete man bereits im 17. Jh. tropische Hölzer, wie etwa Schlangen- oder Eisenholz. Seit dem Ende des 18. Jh. wird Fernambukholz für den Bogenbau verwendet.

Bis zur Mitte des 18. Jh. wurden die Bögen von den Geigenbauern selbst hergestellt und nicht mit ihrem Namen gekennzeichnet. Zu den frühesten, mit Namen gestempelten Bögen, zählt ein Exemplar des venezianischen Geigenbauers Carlo Tononi von ca. 1740 (Abb. 4).
Die Entwicklung des Violinspiels im 18. Jh. führte zu weiteren Veränderungen des Bogens. Die Stangen wurden flacher gebogen, die Formen der Bogenköpfe änderte sich, die Spannmechanik wurde durch eine Schraubmechanik abgelöst. (Abb. 5 Zeichnungen div.Bogenköpfe)

Der deutsche Violinist Wilhelm Cramer (1746-1799) entwickelte gemeinsam mit Bogenbauern einen ganz neuen Bogentypus mit einem sogenannten 'Hammerkopf'.
Keine dieser Veränderungen war aber so tiefgreifend, wie die Neuentwicklung, von G. B. Viotti und den Brüdern Tourte (um 1772). Sowohl die konkave Biegung der Stange, wie die Gestaltung des Kopfes und der neuentwickelte Froschring, mit dem die Haare am Frosch zu einem breiteren Band verteilt werden, ermöglichten völlig neue Spielarten (Abb. 6)
Im 19. Jh. erreichte die Kunst des modernen Bogenbaus vor allem in Frankreich, Deutschland und England mit den Werken bedeutender Bogenbauer ihre Blüte.

Bedeutende Bogenbauer
- François Xavier Tourte (1747–1835)
Tourte gilt als „Vater des modernen Bogens“. Er konzipierte eine neue Bogenform, entwickelte den Bogenfrosch weiter und etablierte Fernambuk als Standardholz. - Nicolas Léonard Tourte (1746–1807)
Bruder von François Tourte, entwickelte frühe Varianten des modernen Bogens. Seine Werke beeinflussten spätere Generationen von Bogenbauern. - Jean-Baptiste Vuillaume (1798–1875)
Bedeutender Geigenbauer und Händler. In seiner Werkstatt bildete er die bedeutendsten Bogenbauer seiner Zeit aus. - Dominique Peccatte (1810–1874)
Schüler von J.B. Vuillaume, schuf Bögen mit kräftigem Stangenprofil und innovativer Kopfgestaltung. Seine Arbeiten sind für ihre Stabilität und Ausdrucksstärke bekannt. - François Nicolas Voirin (1833–1885)
Perfektionierte eine schlankere, elegantere Bogenform mit geschmeidigem Spielgefühl. Sein Einfluss reicht bis in die französische Bogenbaukunst des 20. Jahrhunderts. - Eugène Sartory (1871–1946)
Bedeutender französischer Bogenbauer des frühen 20. Jh. Berühmt für seine perfekt ausbalancierten Bögen, die sich durch Spielkomfort und klare Artikulation auszeichnen. Einer der meistkopierten Bogenbauer. - Emile Auguste Ouchard (1900–1969)
Führte die französische Bogenbautradition in die Moderne. Seine Bögen sind für ihre kraftvolle und flexible Spielbarkeit bekannt. - James Tubbs (1835–1921)
Bedeutendster englischer Bogenbauer, kombinierte französische Eleganz mit britischer Robustheit. Seine Werke wurden von führenden Virtuosen geschätzt.
Gefährdete Bestände
Der moderne Bogenbau steht vor großen Herausforderungen
Das traditionelle Holz für hochwertige Geigenbögen, ist stark bedroht. Strenge Schutzmaßnahmen und Handelsbeschränkungen sollen das Aussterben des brasilianischen Fernambukbaumes verhindern, erschweren aber gleichzeitig die Beschaffung des Holzes. Alternativen wie karbonfaserverstärkte Bögen oder andere Hölzer werden erprobt, doch der Klang und das Spielgefühl des Fernambuks bleiben einzigartig.
Mehr Informationen hierzu findest Du auch an der Station gegenüber: >> Von Hölzern und Wäldern / Gefährdete Bestände
