Der Mailänder Luigi Tarisio (1790-1854) gilt als einer der ersten grossen Händler im Geschäft mit alten Geigen. George Hart, ein englischer Altgeigenhändler überliefert ca. 1875 folgende Anekdote über Tarisio:
Als Luigi Tarisio im Jahre 1827 das Geigenbauatelier von Jean Francois Aldric in Paris betritt muss er erschöpft und heruntergekommen gewirkt haben. Er hat den weiten Weg von Milano grösstenteils zu Fuss zurückgelegt. Über seiner Schulter hängen nicht weniger als sechs italienische Violinen. Er legt Aldric eine Amati, eine Maggini, eine Ruggeri, eine Storioni und zwei Grancinos zum Verkauf vor. Aldric nutzt die Gunst der Stunde und zahlt einen lächerlich niedrigen Preis für die sechs wertvollen Instrumente.
Zwei Monate später besucht Tarisio die Stadt erneut. Er hat seine Lektion gelernt. Diesmal reist er in der Kutsche an und legt Wert auf ein gepflegtes Auftreten. Er besucht die führenden Pariser Geigenbauer, wie etwa Jean Baptiste Vuillaume, denen er seine Ware präsentiert. Schon laufen die Geschäfte deutlich besser.
Er bereist Paris fortan regelmässig.
Der Legende nach kündigt er mehrfach an, bei seinem nächsten Besuch eine Stradivari mitzubringen, die so einzigartig sei wie keine andere. Die wiederholte Ankündigung führt dazu, dass der französische Violinist Delphine Alard schliesslich spottet: mit der Geige sei es wie mit dem Messias - seine Ankunft werde immer wieder verkündet, aber niemand habe ihn bisher gesehen ...
Tarisio hält Wort. Eines Tages erscheint er tatsächlich mit einem aussergewöhnlich gut erhaltenen Instrument von Antonio Stradivari. Die Violine, welche inzwischen im Ashmolean Museum of Art and Archaeology zu Oxford, GB, ausgestellt ist, trägt bis heute den Namen «Messias».
